Die Chronik der Holmia


023_24HOLMIA-VAPEN_01.JPGVIT BAKGRUND-7
 Es war einmal, daβ sich Mitte der 50er Jahre in Stockholm, der noch uhufinsteren Hauptstadt Schwedens, folgende Ritter einmal monatlich trafen: Element (Vindobona), Aha-Dur (Monachia), Früchtchen (Gedania), Bubi (Oldenburgia), Hüptma (Asciburgia) und Stella (Porta Bohemia). Oft stieβ Rt Artus von der Flensburgia hinzu, wenn ihn der Drang, auf dem Eis zu laufen, nach Schweden trieb.

 

Warum gründete Rt Aha-Dur (profan Carl Arthur Liholm) mit einigen Freunden ein Reych gerade in Schweden?
Gewiss – hier hatte er seine zweite Heimat gefunden. War es jedoch nicht gewagt oder sogar absurd, in diesem in so vieler Hinsicht kalten Lande, weit entfernt vom „Kontinent“ (wie man hier sagte), ein warmes Uhunest zu bauen? Wollte er Eingewanderten deutscher Sprache eine schlaraffische Heimat geben? Gewiss – zum Teil. Zum anderen aber: Er liebte Schweden und er liebte die Schweden. Da er eben auch Schlaraffia liebte, wollte er eine Synthese finden: deutscher Kultur, deutscher Sprache, durch das schlaraffische Empfinden und dank schlaraffischen Lebens mit schwedischer Kultur und schwedischem Leben. So wurde die Holmia ein auch schwedisches Reych, welches immer bestehen wird, weil es aus zwei Quellen genährt wird, aus deutschsprachigen und schwedischen Kulturbereichen. Als freudige Überraschung kam hinzu, dass man bei vielen Schweden schlaraffischen Nährboden fand, die Freude am schlaraffischen Spiel. Soll man noch erwähnen, dass es im Lande eines Carl Michael Bellmann (ES Fredman der Movitzige) und Albert Engström einen herrlichen Urhumor gibt – herzliche Freude und Freunde mit Herzen?

So mag die Holmia unter allen „Auslandsreychen“ die besondere Eigenart haben, dass sie mehr im Lande verwurzelt ist, weil die von Aha-Dur gewollte Synthese gelang. Das nördlichste Reych des Uhuversums, 600 km entfernt vom ersten Nachbarreych (Malmöhus) und über 1000 km entfernt vom nördlichsten Reych in Deutschland, ist ein gelungenes Reych.

Aha-Dur übernahm die Initiative, reiste in deutschen, österreichischen und schweizerischen Landen umher, fand vor allem bei der Turicensis Gegenliebe für sein Vorhaben, im neutralen Schweden ein Tochterreych zu gründen, und etablierte ein Feldlager im Keller des mittelalterlichen Gasthauses „Fatburen“ in einer südlichen Herzkammer Stockholms. Die Sanktion im Brachmond a. U. 104 war wahrhaftig ein Ereignis. Allen, die sie erlebten, den zahlreich erschienenden Schlaraffenbrüdern aus aller Welt und den profanen Gästen, wird diese Hoch-Zeit, die in den schwedischen Frühling fiel, unvergesslich bleiben.

Die Holmia erlebte mit vielen Gästen auch fernerhin in den dann zur Tradition gewordenen Frühlingsfesten hohe Zeiten. Der „MS Nordland“ folgte die „MS Regina Maris“. Strahlende Feste in Skansen, im alten Wirtshaus von Ulriksdal nahe dem gleichnamigen Landschlosses der Bernadottes, im Foresta Hotel neben Carl Milles Bildhauerparadies und im repräsentativen Grand Hotel Royal gegenüber dem Königlichen Schloss. Aha-Dur war schon nicht mehr bei uns, doch er hatte den Grund gelegt. Wer entsinnt sich noch des Uhubaumfestes im oberen kleinen Festsaal des Opernhauses …, des ersten Ritterschlages, der Besuche im Drottningholm-Schlosstheater?

„Hoch klingt das Lied vom braven Mann …!“ Unser braver Mann war der Rt Bubi! Als einzig noch aktiver Gründungsritter hielt er das Banner Holmias hoch. Mag er uns auch oft geplagt haben, mit seinem moralischen Zwang die Sippungen nicht zu schwänzen, hielt er das Reych zusammen. Es überstand den Verlust so manches Freundes durch Tod oder Abwanderung. Das Reych lebte. Unsere Sassen formten an unserer Gemeinschaft. Die Holmia wurde im Uhuversum mehr und mehr bekannt.

Jahre mit Höhepunkten und Problemen erlebten wir – wie überall. Ein Problem war immer unsere Burg, teils im Keller (z. B. Grevgatan). Seit a. U. 140 können wir jedoch nun in einer angemessenen Burg im Stockholmer Stadtteil Gubbängen sippen, die mit viel Eigenarbeit zu einem behaglichen Uhunest ausgebaut wurde. Ein Problem – auch hier wie überall – stellt natürlich die Frage des Nachwuchses dar, besonders schwer natürlich in einem nicht deutschsprechenden Land. Wen mag es da verwundern, dass hier nicht weniger als sieben verschiedene Nationalitäten sich um Uhus Banner scharen. Dass aber ein so kleines Reych mit seinen Sippungen doch attraktiv ist, beweisen die Einritte bei uns. Aber nicht nur die „normalen“ Sippungen können wir mit Freunden, von oft weither angereist, begehen, sondern besonders auch die Wellenritte der Holmia, die inzwischen schon zu einer Tradition geworden sind. Zwar können wir nicht mehr ein ganzes Schiff voll belegen wie weiland unser ER Raudi (Glorimontana) mit der MS „Nordland“ oder MS „Regina Maris“ – die Schiffe sind inzwischen zu groß geworden –, aber wir haben doch Sippungen mit über dreihundert Gästen auf den verschiedenen Kursen der Ostsee feyern können.

Dankbar denken wir an die Gründungsritter Aha-Dur, Bubi, Früchtchen, Stella und Hüptma, die die Holmia schufen und jenen, die sie weiter leiteten, dass sie uns die Möglichkeit schlaraffischen Lebens vermittelten, dass sie Holmia vor eine so schöne Aufgabe der Synthese zwischen Nord und Süd stellten. Wir wollen das Licht nicht erlöschen lassen, sondern ihm weiter zum Strahlen verhelfen.
Rt Franco-Vadius